Ihr habt unendlich viel Bock zu klettern und zu trainieren, aber nicht genug Zeit? Damit seid ihr nicht allein. Mit diesen Tipps holt ihr auch mit einem knappen Zeitbudget das Maximum aus eurem Training heraus.
Wer kein Profikletterer ist, muss neben dem Sport allerlei andere Dinge in seinen Tag integrieren. Job, Familie, Haushalt, soziale Verpflichtungen – jeder kennt das. Wer trotz Zeitmangel richtig Gas geben will, sollte in paar Grundregeln beherzigen. Hier sind meine persönlichen Empfehlungen für ein effektives Zeitmanagement.
- Sucht euch feste Tage
Für mich persönlich die vielleicht wichtigste Regel von allen: feste Tage, die im Kalender fürs Klettern reserviert sind. Egal, wie euer persönliches Ziel aussieht – setzt euch feste Tage, an denen ihr auf jeden Fall klettern geht. Dann ist das von vornherein fest und es kann weder der eigene Schweinehund dazwischenkommen, noch die spontane Einladung bei Freunden oder, oder, oder… Feste Tage sind außerdem fair für eure Partner und andere Mitmenschen, die dann ebenfalls Bescheid wissen und planen können.
- Geht bouldern
Bouldern ist der Joker für alle, die knapp mit der Zeit sind. Man braucht keinen Partner und ist nach spätestens zwei Stunden in der Halle ausreichend platt. Selbst nach langen Tagen im Büro oder wenn die Kinder im Bett sind, lässt sich so noch eine kurze Trainingseinheit einschieben. Vorausgesetzt ihr habt einen Babysitter oder euer Partner bleibt mit den Kids daheim, damit ihr eurem Hobby nachgehen könnt. Das ist ein Geben und Nehmen. Und noch ein Argument fürs Bouldern: Es macht nicht nur richtig Spaß, sondern auch richtig stark!
- Setzt die Schwerpunkte richtig
Klingt gut, aber was heißt das konkret? Das kommt darauf an, wie fortgeschritten ihr seid. Für Anfänger gilt: Klettern ist zuallererst ein „Skill Sport“. Hier kommt es ganz entscheidend auf Geschicklichkeit an und darauf, komplexe Bewegungen effizient auszuführen. Kraft ist natürlich auch ein Faktor, aber gerade am Anfang weit weniger wichtig als man glauben mag. Deswegen gilt für den Anfang: Verbringt so viel Zeit wie möglich an der Wand. Schwere Routen, bei denen nach wenigen Zügen nichts mehr geht, machen euch (am Anfang) nicht zu einem besseren Kletterer. Schaut lieber, dass ihr viele Routen klettert und verschiedene Griffarten und Bewegungstechniken ausprobiert. Der Rest kommt von allein.
Anders verhält es sich für Fortgeschrittene. Wenn ihr ein paar Monate oder vielleicht auch schon ein Jahr dabei seid, regelmäßig klettern geht und die Grundtechniken drauf habt, solltet ihr regelmäßig auch mal hart klettern. Denn nur wer seine Grenzen auslotet, kann sie verschieben. Schwer klettern macht uns körperlich stärker, indem es unsere Maximalkraft verbessert. Und es macht uns auch mental stärker, weil wir lernen uns bis ans Limit und darüber hinaus zu pushen. Nicht umsonst heißt es: Qualität kommt von Qual. Wichtig hierbei: Richtig schwer klettern oder trainieren solltet ihr nie im erschöpften Zustand, weil dann die Verletzungsgefahr steigt.
- Plant eure Trainings
Überlegt euch vorher, was ihr heute vorhabt. Natürlich kann man einfach so ein paar Routen klettern oder bouldern. Aber wenn ihr dem Anfängerstadium entwachsen seid, bringt euch das nicht mehr wirklich weiter. Wenn ihr eurer Können auf das nächste Level heben wollt, solltet ihr euch überlegen, was ihr mit einer Trainingsession erreichen wollt: hartes Bouldern für Maximalkraft, leichtes Sportklettern mit Fokus auf saubere Technik, Mentaltraining mit weiten Stürzen am Seil? Wer vorher seine Ziele für den Tag festlegt, kommt auch mit wenig Zeit auf seine Kosten.
- Nutzt eure Zeit am Seil
Sportklettern ist super. Wer sich einmal unter Schmerzen in
einer schweren Route bis zum Topgriff gekämpft hat und den Umlenker klippt,
wird diesen Moment so schnell nicht vergessen. Allerdings verlangt
Sportklettern auch mehr Zeit und Planungsaufwand, weil ihr einen
Sicherungspartner braucht und euch zwischen den Routen immer wieder neu ins
Seil einbinden müsst. Während beim Bouldern zwei Stunden dicke ausreichen,
plane ich beim Sportklettern gerne mindestens drei Stunden ein. Weil das
schwerer in den Alltag zu integrieren ist, versuche ich meine Kletter-Einheiten
gezielt zu nutzen, um spezifische Dinge zu üben, die beim Sportklettern wichtig
sind. Das sind vor allem schnelles und effizientes Klettern und Klippen sowie
Krafteinteilung und Taktik. Langwieriges Projektieren in Routen, die eigentlich
viel zu schwer sind, spare ich mir. Dafür gehe ich lieber in die Boulderhalle.
Am Seil ist Durchstiegspower gefragt! Bei Trainingsessions am Seil klettere ich
meistens maximal einen UIAA-Grad über meinem Onsight-Niveau.
Wer Sturzangst hat, sollte außerdem seine Klettersessions unbedingt dazu
nutzen, regelmäßig das Fallen zu üben. Denn nur ohne Angst lässt es sich
entspannt und effizient klettern. Und Spaß macht es schließlich auch nicht,
wenn man dauernd Angst hat. Also sucht euch eine Wand mit freier Flugbahn (am
besten im Überhang) und lasst einfach mal los. Viele Hallen bieten inzwischen
auch Kurse für Leute mit Sturzangst an, wo man unter Anleitung eines Trainers
das Stürzen üben kann.
- Bleibt fokussiert
Wer regelmäßig klettern geht, kennt durch die regelmäßigen Besuche in der Halle irgendwann jede Menge Leute. Wenn man dann zu Beginn einer Session mit jedem der anderen Stammgäste kurz schnackt, ist die erste halbe Stunde der Trainingseinheit schon vorbei und man hat effektiv null Komma Nix gemacht. Daher mein Tipp: Spart euch den Small Talk und fokussiert euch auf eurer Training. Ein kurzes Hallo und ab in die Wand. Das mag unsozial klingen, aber wir sind schließlich zum Klettern dort und wollen unsere knapp bemessene Zeit genau dafür einsetzen – und nicht für die hundertste Story von diesem krassen Youtube-Video oder dem neuesten Zipperlein eines Mitkletterers. Und zwischen den Bouldern bleibt ja meist genug Zeit für ein kurzes Schwätzchen.
- Trainiert auch mal zu Hause
Für Fortgeschrittene bietet sich an, neben dem Klettern noch etwas spezifisches Krafttraining in den Trainingsplan einzubauen. Das kann man wunderbar zu Hause machen. Am besten geht das mit einem Hangboard, z.B. dem Beastmaker. Der Name ist Programm: Wer ein paar Wochen dabei bleibt, wird mit einem spürbaren Plus an Fingerkraft belohnt. Auch hier gilt: Das Training am Hangboard ist nichts für blutige Anfänger. Wer gerade erst mit dem Klettern begonnen hat, sollte seinen Fingern mindestens ein Jahr Zeit geben, sich an die extremen Belastungen des Sports zu gewöhnen (und zwar beim normalen Klettern!), bevor er seinen Körper mit Hangboardtraining überfordert.
So, das waren meine persönlichen Tipps für ein effizientes Zeitmanagement. Für mich funktioniert das damit ganz gut. Ich gehe meistens an drei Tagen in der Woche in die Boulder- oder Kletterhalle und ein bis zwei Tage die Woche zuhause ans Hangboard. Das sind in Summe etwa acht Stunden Klettertraining in der Woche. Es könnte gerne noch mehr sein, aber neben Familie und Job braucht auch die Regeneration zwischen den Trainingseinheiten ihre Zeit.
Wenn Ihr Fragen oder Anmerkungen habt, hinterlasst gerne einen Kommentar. Und auch wenn ihr noch eigene Tipps habt – denn Zeit zum Klettern kann man nie genug haben!
